Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

Die Erderwärmung beklagen, aber auf Wölfe schießen

Erschienen als Kommentar von Kurt Kotrschal in der Serie „Mit Federn, Haut und Haar“ der Tageszeitung „Die Presse“ am 3.12. 2019. 

Offenbar muss sich in der Öffentlichkeit erst durchsprechen, dass Klimawandel und Artensterben zusammenhängen.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Ministerin Iris Rauskala riefen ein paar Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu sich. Man plauderte artig, angetan von der neuen Wertschätzung der Spitzenpolitik für die heimische Wissenschaft. Jenseits aller Details war wohl die Botschaft des Abends, dass sich Österreich zum Wissenschaftsland entwickelt und dass die Zuwendungen an Wissenschaft und Forschung prioritäre Zukunftsinvestitionen sind, nicht bloß „Kosten“. Es braucht mehr Geld, aber auch mehr Stabilität und planvolle Entwicklung, vor allem in der so wichtigen Grundlagenforschung. Zumal man immer weniger mit den USA oder Singapur um Themenführerschaft und die besten Köpfe konkurriert, sondern zunehmend mit der privaten Industrie.

So stockt die Digitalisierung des öffentlichen Dienstes, weil die guten Leute bei Google und Co. landen und immer weniger an unseren Universitäten, oder gar in der staatlichen Verwaltung. Von den Forschungsbudgets dieser Konzerne kann man in Österreich ohnehin nur träumen. Damit bezahlen wir bereits die Rechnung dafür, dass die Staaten darin versagt haben, Rahmenbedingungen zu schaffen, um es diesen Konzernen zu verwehren, die staatlich-demokratischen Strukturen auszuhebeln und unaufhaltsam immer mehr Macht an sich zu ziehen.

Österreich wird aber auch von vielen „Micky-Maus-Problemen“ geplagt, die sich freilich auf den zweiten Blick als erheblich erweisen. So kam mit Kanzlerin und Ministerin das formidable Artenschutzproblem wieder nicht zur Sprache: Österreich ist ein „schwarzes Loch“ für Bär, Luchs, Wolf, Golfschakal und für Greifvögel. Es wird illegal geschossen und vergiftet, was das Zeug hält. Diesbezüglich sind wir Europas Schandfleck!

Dahinter steht der das Land beherrschende Filz zwischen Jagd, Politik und Wirtschaft – in Verbindung mit der spitzbübischen Einstellung, sich um Gesetze nur dann zu scheren, wenn sie einem selbst nützen. Wie die Medien täglich berichten, wird im Bereich des erwähnten Filzes munter korrumpiert, selbst Spitzenpolitiker verkünden augenzwinkernd, „die Jäger würden schon wissen, was zu tun sei, wenn sie einem Wolf begegnen“. So wird der Rechtsstaat täglich ausgehöhlt, und niemanden scheint es zu stören.

Die Vernichtung von Lebensräumen und Mitgeschöpfen ist keineswegs bloß Problem weniger „Spinner“ bei Naturschutzbund oder WWF, sondern erreicht bedrohliche Ausmaße. Seit 1970 verringerte sich auch in Österreich die Zahl von Insekten, Lurchen, Singvögeln etc. um etwa 60 Prozent – 20 Prozent der Arten sind überhaupt verschwunden. Offenbar muss sich in Gesellschaft, Medien und Politik erst durchsprechen, dass Klimawandel und Artensterben zusammenhängen. Die Erderwärmung beklagen, aber auf Wölfe schießen, geht daher gar nicht.

Besonders betroffen macht, dass nicht einmal bei den Grünen ein Bewusstsein dafür zu spüren ist, dass Klimaschutz und der Schutz von Lebensräumen und Arten – gerade in Österreich – untrennbar zusammengehören. Dass den Türkisen dafür das Verständnis fehlt, mag historischen Gründen und Klientelpolitik geschuldet sein, ist aus heutiger Perspektive aber unverantwortlich. Ein Wissenschaftsland muss auch ein Land des Artenschutzes sein: Das eine ist ohne das andere letztlich nicht zu haben.

 

Wolf

EuGH-Urteil bekräftigt strenge Voraussetzungen für Ausnahmen vom Artenschutz bei Eingriffen in Wolfspopulationen – ein Kommentar von Katharina Scharfetter

Quelle: TiRuP 2019/A, 1, DOI: 10.25598 / tirup / 2019-5

In seiner aktuellen Entscheidung zur finnischen Wolfsjagd befasst sich der EuGH mit dem Ausnahmetatbestand in Art 16 Abs 1 lit e FFH-RL und kommt zu dem Schluss, dass sich Ausnahmen vom strengen Artenschutz nur unter sehr strengen Bedingungen auf diese Bestimmung stützen können. Außerdem betont der EuGH darin erneut, dass sämtliche Voraussetzungen für Ausnahmegenehmigungen restriktiv auszulegen sind.

Hier der Link zum EuGH-Urteil und hier zum Kommentar von Katharina Scharfetter.

Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

„Man sollte den Wolf (noch) nicht jagen“ – ein Kommentar von Kurt Kotrschal.

Kommentar von Kurt Kotrschal zum Interview des Leiters des Wiener Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft mit dem Profil: „Man muss den Wolf jagen“ in Biorama am 19.08.2019.

Zur Vorgeschichte und damit Sie den Text kennen, auf den Kurt Kotrschal Bezug nimmt, hier der Link zum Interview mit Klaus Hackländer mit dem Titel: „Man muss den Wolf jagen“: https://www.profil.at/wissenschaft/rueckkehr-wolf-oesterreich-10907646 .

Und hier der Kommentar darauf von Kurt Kotrschal, erschienen am 19.08.2019 auf der Homepage von Biorama (https://www.biorama.eu/man-sollte-den-wolf-noch-nicht-jagen-kotrschal/):

Aus dem Blickwinkel des Artenschutzes halte ich einen Gutteil der Aussagen des Wildbiologen Klaus Hackländer für konsensfähig, auch was die Entnahme von »Problemwölfen« betrifft; zu deren Definition endet allerdings die Einigkeit: Denn zum Problemwolf wird er nach internationalen Gepflogenheiten erst, wenn er sich signifikant an entsprechend geschützten Weidetieren vergreift, nicht aber wenn er eine bestimmte Anzahl ungeschützter Weidetiere reißt.

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Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

Salzburger Sommertheater: Der Wolf in Großarl

Ein Kommentar von Kurt Kotrschal, erschienen am 30.7.2019 in „DiePresse„:
https://diepresse.com/home/meinung/wisskommentar/5666843/Salzburger-Sommertheater_Der-Wolf-in-Grossarl

Bereits lange vor dem Wolf ging die Almwirtschaft auch in Österreich stetig zurück, weil ihr eine unfähige Landwirtschaftspolitik den ökonomischen Boden entzog. Chuzpe, nun den Wolf dafür verantwortlich zu machen.

Zwei Dutzend tote Schafe und eine Handvoll verzweifelter Almbauern hinterließ ein durchziehender Wolf Mitte Juli auf einer Alm in Großarl. Die Tiere und ihre Halter verdienen unser Mitgefühl, aber der Vorfall war zu erwarten. Etwas zynisch könnte man es als Salzburger Sommertheater sehen: Gregor Bloeb gibt den Teufel auf dem Domplatz, der Wolf auf der Alm.

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Wolf

Wolfsschutzzäune – Lehrvideos zu Empfehlungen in Österreich und dem Wolfsverhalten bei Elektrozäunen

Der WWF Österreich hat im Rahmen eines LIFE+ Projektes zusammen mit der European Wilderness Society und Agridea sehr gute, kurze Lehrvideos zu Herdenschutzzäunen in Österreich und dem Wolfsverhalten bei Elektrozäunen erstellt.

Sehenswert für alle Halter von Weidetieren und Interessierte.

Schnell anschauen und weiter verbreiten.

 

Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

„Er ist wieder da“ – und mit ihm ein Österreich-Zentrum für Bär und Co.

Ein Kommentar von Kurt Kotrschal in der Tageszeitung „DiePresse“ am 19.02.2019.

Das neue Zentrum ist unterfinanziert und vertritt die
Minderheiteninteressen von Jagd und Landwirtschaft, nicht aber des Artenschutzes. Konflikte sind damit vorprogrammiert.

Die gute Nachricht: Auf Betreiben von Ministerin Elisabeth Köstinger und
der zuständigen Länder wird es ein „Österreichzentrum Bär, Wolf und
Luchs“ im Raum Gumpenstein in der Steiermark geben. Das ist ein auch vom
WWF vorsichtig begrüßter Fortschritt, da Wolf & Co bislang Ländersache
waren, obwohl sie mit Grenzen nicht viel anfangen können. Die schlechte
Nachricht für eine Mehrheit von artenschutzbewegten Österreichern –
nicht nur in den Städten – ist aber, dass im Zentrum die Nutzer den Ton
angeben werden, also Landwirtschaft und Jagd. Die NGOs, wie WWF oder
Naturschutzbund dürfen – wenn sie Glück haben – das Zentrum beraten,
bleiben aber von den Entscheidungen ausgeschlossen.

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Wolf

Neues Dossier „Nachbar Wolf: Wie gelingt das Zusammenleben“ der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe

Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe hat ein neues Dossier heraus gegeben, bei dem es um die Möglichkeiten des Zusammenlebens mit dem Wolf geht.

Hier steht das Dossier als PDF zum Download zur Verfügung.

Sie finden dieses und weitere interessante Downloads auch auf der Homepage der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe: https://www.gzsdw.de/broschueren_download

Wolf

Fakten zum Herdenschutz in Österreich und im Alpenraum

PDF zum Download hier

Autor: Kurt Kotrschal

(Stand Nov 2018)

Wolfsverhalten und die Notwendigkeit von Herdenschutz

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Kurt Kotrschal mit Herdenschutzhund

Ob wir auch in Österreich wieder nachhaltig mit Wölfen zusammenleben können, wird die Qualität des Herdenschutzes entscheiden. Viele Beispiele zeigen, dass dieser angepasst an jede Geländeform möglich ist. Der Wolf ist sicherlich nicht der „Totengräber“ der Weidewirtschaft“, wohl aber eine zusätzliche Erschwernis.
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„Wolfsfreie Zonen“, etwa in Analogie zu „rotwildfreien Zonen“, lösen das Problem der Nutztierverluste nicht, da Wölfe sehr bewegliche Tiere sind und schwieriger zu bejagen als Rotwild. Es würde in solchen Zonen immer wieder zu Verlusten an ungeschützten Weidetieren durch durchziehende Wölfe kommen. Zudem lernen durchziehende Jungwölfe (Disperser) dadurch von Nutztieren zu leben und werden somit zu „Problemwölfen“ gemacht. Wenn „wolfsfreie Zone“ bedeutet, dass man dort die Ansiedlung von territorialen Rudeln verhindern will, wäre das im Sinne von Schadensvermeidung kontraproduktiv.

Verhaltensbiologischen Erkenntnisse zeigen, dass

  1. etablierte Rudel sehr effizient „dichteabhängige Regulation“ praktizieren. Damit steigen lokale Wolfsdichten nicht an, weil sie Nachbarrudel auf Distanz halten und durchziehende Wölfe vertreiben oder töten.
  2. effizienter Herdenschutz von Beginn der Wolfseinwanderung an praktiziert werden muss, weil Wölfe damit angehalten sind, sich auf Wildtiere als Beute zu spezialisieren; sie geben diese Traditionen im Rudel an ihre Nachkommen weiter und sorgen so für eine lokale „Befriedung“. Bejagung von Wölfen kann diese Regulationsmechanismen stören. Untersuchungen zeigen, dass mit der Bejagung von Wölfen Nutztierschäden steigen können.

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Wolf

Positionspapier Wolf

PDF zum Download hier

Fakten zum Wolf: Die aktuelle Lage in Österreich

Autor: Kurt Kotrschal

(Stand: Dez. 2018)

In Kürze:

  •  In Österreich gibt es zur Zeit drei Wolfsrudel, seit 2016 eines im Truppenübungsplatz Allentsteig. Seit 2018 zwei weitere im Grenzgebiet zu Tschechien, teils mit Schwerpunkt seiner Aktivität auf tschechischem Gebiet; in Östereich leben daher derzeit samt Durchzüglern etwa 25 Wölfe.
  • Wölfe wurden nirgends in Europa ausgesetzt, auch nicht in Österreich; sie breiten sich selbständig und rasch aus, weil sie eine gute Nahrungsbasis vorfinden und weil die Vermehrungsrate hoch ist. Wölfe breiten sich generell rasch in die Fläche aus.
  •  Wölfe sind in Europa umfassend geschützt, durch die Berner Konvention und die Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie der EU; in Österreich sind sie als jagdbares Wild in den Jagdgesetzen geregelt, aber ganzjährig geschont. Seit 2012 gibt es übrigens einen breit akkordierten Wolfsmanagementplan (Rauer et al. 2012). „Problemwölfe“ treten äußerst selten auf, wie die Erfahrungen aus Deutschland zeigen.
  • Zwei repräsentative Umfragen (Im Auftrag Kurier und WWF) vom Herbst 2017 belegen, dass etwa 70% der Österreich die Wiederkehr der Wölfe begrüßen, nicht nur die Leute in den Städten, sondern auch am Land. Wölfe sind heute für Menschen so gut wie ungefährlich. Jegliche Panikmache ist daher ungerechtfertigt.
  • Wölfe zeigen eine rasche Flächenausbreitung. Einmal etabliert, steigen aber ihre Dichten nicht, weil sie sich effizient selber regulieren (dichteabhängige Regulation durch starke, von etablierten Rudeln ausgehende Interaktionskonkurrenz).  Eine routinemäßige Bejagung ist daher eher kontraproduktiv und kann den Druck auf Weidetiere sogar erhöhen´. „Wolfsfreie Zonen sind weder gesetzlich möglich, noch biologisch sinnvoll.
  • Herdenschutz ist in den meisten Lagen gut mit vertretbarem Aufwand möglich/nötig. Er verhindert weitgehend den Verluste von Weidetieren durch Wolf und kann dazu beitragen, Verluste durch andere Ursachen (Krankheit, etc.) zu vermindern. Herdenschutz ist DER Schlüssel, um die Konflikte mit und um den Wolf zu minimieren. Er ist auch aus ‚Tierschutzgründen erforderlich. Nach einer neuen EU-Richtlinie (Nov. 2018) sind Weidetierverluste durch Wolf zu 100% abzugelten. Weiterlesen „Positionspapier Wolf“