Naturschutz, Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Tierschutz

Ein Rechtsstaat, der seine Natur mit Füßen tritt

 

black hawk soaring
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Erschienen als Kommentar von Kurt Kotrschal in der Serie „Mit Federn, Haut und Haar“ der Tageszeitung „Die Presse“ am 24.02.2020.

Die Vermarktung von Käse und Filzpantoffel ist gut und schön, aber ohne umfassenden Artenschutz und die zugehörige Forschung bleibt ein Nationalpark Etikettenschwindel.

Kein Witz, auch wenn heute Faschingsdienstag ist: Eben schlossen
Politiker, Jägerschaft und Grundbesitzer ein Jagdübereinkommen, wonach
im kärntner Teil des Nationalparks Hohe Tauern „Raubwild“ (so der
O-Ton) künftig „nicht mehr willkommen“ sei. Damit werden Bär und Wolf,
aber auch Luchs, Goldschakal und Fischotter im Nationalpark Hohe
Tauern namentlich von den Erhaltungs- und Wiederansiedlungsmaßnahmen
ausgenommen! Auch die Forschung an diesen bösen Tieren soll nicht mehr
unterstützt werden. Und das alles in einem „Nationalpark“!
Unfassbar! Was soll man zu diesem neuerlichen Skandal aus dem Land der
Hypo-Alpe-Adria sagen? Hoffnungsloses Kärnten? Gesetzesbruch ganz
öffentlich zu verkünden, ist schon eine Chuzpe der Sonderklasse; denn
Gesetze und Richtlinien werden mit diesem Übereinkommen gleich in
Serie gebrochen. Das machte bereits die IUCN (World Commission on
Parks and Protected Areas) hellhörig, denn nun entspricht der
Nationalpark Hohe Tauern sicherlich nicht mehr ihren Kriterien. Was
bleibt, ist ein hohler touristischer Marketingbegriff. Will man das
wirklich?
Das neue Jagdübereinkommen widerspricht klar dem Nationalparkgesetz,
wonach „..die für solche Gebiete charakteristische Tier- und
Pflanzenwelt .. bewahrt werden ..“ (§2b). In diesem Gesetz ist auch
noch die Wissenschaft verankert, dass im Park „..Menschen auch in
aller Zukunft ein eindrucksvolles Naturerlebnis ..“ ermöglicht wird
(tierfrei?) und dass Landesübereinkommen dieses Gesetz nicht aushebeln
können. Nicht zuletzt verstößt dieses seltsame Übereinkommen auch
eklatant gegen die für Österreich gültige
EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die eine jagdliche Bewirtschaftung
der erwähnten Beutegreifer erst dann erlaubt, wenn ein „günstiger
Erhaltungszustand“ erreicht wurde.
Dieses „Raubwildübereinkommen“ entlarvt gnadenlos: Tatsächlich geht es
in den heimischen Nationalparks am allerwenigsten um Tiere und Natur,
sondern um einen möglichst gewinnbringenden Touristenrummelplatz.
Astreines österreichisches Schlawinertum eben! Die Vermarktung von
Käse und Filzpantoffel ist gut und schön, aber ohne Wolf, Bär,
Schakal, Luchs und Otter, ohne umfassenden Artenschutz und die
zugehörige Forschung bleibt ein Nationalpark Etikettenschwindel. Aus
dem Wording des Übereinkommens lernt man zudem, wer in diesem Park das
Sagen hat. Die ökologisch wertvollen Beutegreifer werden als „Räuber“
bezeichnet, und als „Wild“, womit die Jägerschaft patzig ihr
Verfügungsmonopol markiert. Höchste Zeit, sich zu wehren!
Unklar bleibt, ob das zuständige Ministerium involviert, Ministerin
Leonore Gewessler informiert war. In ihrer Naturschutzabteilung ziehen
Proponentinnen aus dem sozialen Kreis der Elisabeth Köstinger die
Fäden. Will man die Neue Grüne am Nasenring vorführen? Höchste Zeit
jedenfalls, dass man in Österreich endlich ernsthaft Artenschutz
betreibt. Das Mindeste ist, dass man die Unterzeichner solch
irrsinniger, illegaler Übereinkommen in die Schranken weist. Darf man
in Österreich offen und offiziell Gesetzesbruch ankündigen? Ich hoffe
nicht! Daher fordere nicht nur ich die zuständige Staatsanwaltschaft
auf, zu ermitteln. Und den entsprechenden NGOs sollte nun klar
geworden sein, dass ihr Kuschelkurs mit der Jägerschaft nichts bringt.
Sie müssen im Interesse von Bär & Co. endlich klagen!

Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

Die Erderwärmung beklagen, aber auf Wölfe schießen

Erschienen als Kommentar von Kurt Kotrschal in der Serie „Mit Federn, Haut und Haar“ der Tageszeitung „Die Presse“ am 3.12. 2019. 

Offenbar muss sich in der Öffentlichkeit erst durchsprechen, dass Klimawandel und Artensterben zusammenhängen.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Ministerin Iris Rauskala riefen ein paar Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu sich. Man plauderte artig, angetan von der neuen Wertschätzung der Spitzenpolitik für die heimische Wissenschaft. Jenseits aller Details war wohl die Botschaft des Abends, dass sich Österreich zum Wissenschaftsland entwickelt und dass die Zuwendungen an Wissenschaft und Forschung prioritäre Zukunftsinvestitionen sind, nicht bloß „Kosten“. Es braucht mehr Geld, aber auch mehr Stabilität und planvolle Entwicklung, vor allem in der so wichtigen Grundlagenforschung. Zumal man immer weniger mit den USA oder Singapur um Themenführerschaft und die besten Köpfe konkurriert, sondern zunehmend mit der privaten Industrie.

So stockt die Digitalisierung des öffentlichen Dienstes, weil die guten Leute bei Google und Co. landen und immer weniger an unseren Universitäten, oder gar in der staatlichen Verwaltung. Von den Forschungsbudgets dieser Konzerne kann man in Österreich ohnehin nur träumen. Damit bezahlen wir bereits die Rechnung dafür, dass die Staaten darin versagt haben, Rahmenbedingungen zu schaffen, um es diesen Konzernen zu verwehren, die staatlich-demokratischen Strukturen auszuhebeln und unaufhaltsam immer mehr Macht an sich zu ziehen.

Österreich wird aber auch von vielen „Micky-Maus-Problemen“ geplagt, die sich freilich auf den zweiten Blick als erheblich erweisen. So kam mit Kanzlerin und Ministerin das formidable Artenschutzproblem wieder nicht zur Sprache: Österreich ist ein „schwarzes Loch“ für Bär, Luchs, Wolf, Golfschakal und für Greifvögel. Es wird illegal geschossen und vergiftet, was das Zeug hält. Diesbezüglich sind wir Europas Schandfleck!

Dahinter steht der das Land beherrschende Filz zwischen Jagd, Politik und Wirtschaft – in Verbindung mit der spitzbübischen Einstellung, sich um Gesetze nur dann zu scheren, wenn sie einem selbst nützen. Wie die Medien täglich berichten, wird im Bereich des erwähnten Filzes munter korrumpiert, selbst Spitzenpolitiker verkünden augenzwinkernd, „die Jäger würden schon wissen, was zu tun sei, wenn sie einem Wolf begegnen“. So wird der Rechtsstaat täglich ausgehöhlt, und niemanden scheint es zu stören.

Die Vernichtung von Lebensräumen und Mitgeschöpfen ist keineswegs bloß Problem weniger „Spinner“ bei Naturschutzbund oder WWF, sondern erreicht bedrohliche Ausmaße. Seit 1970 verringerte sich auch in Österreich die Zahl von Insekten, Lurchen, Singvögeln etc. um etwa 60 Prozent – 20 Prozent der Arten sind überhaupt verschwunden. Offenbar muss sich in Gesellschaft, Medien und Politik erst durchsprechen, dass Klimawandel und Artensterben zusammenhängen. Die Erderwärmung beklagen, aber auf Wölfe schießen, geht daher gar nicht.

Besonders betroffen macht, dass nicht einmal bei den Grünen ein Bewusstsein dafür zu spüren ist, dass Klimaschutz und der Schutz von Lebensräumen und Arten – gerade in Österreich – untrennbar zusammengehören. Dass den Türkisen dafür das Verständnis fehlt, mag historischen Gründen und Klientelpolitik geschuldet sein, ist aus heutiger Perspektive aber unverantwortlich. Ein Wissenschaftsland muss auch ein Land des Artenschutzes sein: Das eine ist ohne das andere letztlich nicht zu haben.

 

Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

„Man sollte den Wolf (noch) nicht jagen“ – ein Kommentar von Kurt Kotrschal.

Kommentar von Kurt Kotrschal zum Interview des Leiters des Wiener Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft mit dem Profil: „Man muss den Wolf jagen“ in Biorama am 19.08.2019.

Zur Vorgeschichte und damit Sie den Text kennen, auf den Kurt Kotrschal Bezug nimmt, hier der Link zum Interview mit Klaus Hackländer mit dem Titel: „Man muss den Wolf jagen“: https://www.profil.at/wissenschaft/rueckkehr-wolf-oesterreich-10907646 .

Und hier der Kommentar darauf von Kurt Kotrschal, erschienen am 19.08.2019 auf der Homepage von Biorama (https://www.biorama.eu/man-sollte-den-wolf-noch-nicht-jagen-kotrschal/):

Aus dem Blickwinkel des Artenschutzes halte ich einen Gutteil der Aussagen des Wildbiologen Klaus Hackländer für konsensfähig, auch was die Entnahme von »Problemwölfen« betrifft; zu deren Definition endet allerdings die Einigkeit: Denn zum Problemwolf wird er nach internationalen Gepflogenheiten erst, wenn er sich signifikant an entsprechend geschützten Weidetieren vergreift, nicht aber wenn er eine bestimmte Anzahl ungeschützter Weidetiere reißt.

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Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

Salzburger Sommertheater: Der Wolf in Großarl

Ein Kommentar von Kurt Kotrschal, erschienen am 30.7.2019 in „DiePresse„:
https://diepresse.com/home/meinung/wisskommentar/5666843/Salzburger-Sommertheater_Der-Wolf-in-Grossarl

Bereits lange vor dem Wolf ging die Almwirtschaft auch in Österreich stetig zurück, weil ihr eine unfähige Landwirtschaftspolitik den ökonomischen Boden entzog. Chuzpe, nun den Wolf dafür verantwortlich zu machen.

Zwei Dutzend tote Schafe und eine Handvoll verzweifelter Almbauern hinterließ ein durchziehender Wolf Mitte Juli auf einer Alm in Großarl. Die Tiere und ihre Halter verdienen unser Mitgefühl, aber der Vorfall war zu erwarten. Etwas zynisch könnte man es als Salzburger Sommertheater sehen: Gregor Bloeb gibt den Teufel auf dem Domplatz, der Wolf auf der Alm.

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Pressekommentare von Kurt Kotrschal, Wolf

„Er ist wieder da“ – und mit ihm ein Österreich-Zentrum für Bär und Co.

Ein Kommentar von Kurt Kotrschal in der Tageszeitung „DiePresse“ am 19.02.2019.

Das neue Zentrum ist unterfinanziert und vertritt die
Minderheiteninteressen von Jagd und Landwirtschaft, nicht aber des Artenschutzes. Konflikte sind damit vorprogrammiert.

Die gute Nachricht: Auf Betreiben von Ministerin Elisabeth Köstinger und
der zuständigen Länder wird es ein „Österreichzentrum Bär, Wolf und
Luchs“ im Raum Gumpenstein in der Steiermark geben. Das ist ein auch vom
WWF vorsichtig begrüßter Fortschritt, da Wolf & Co bislang Ländersache
waren, obwohl sie mit Grenzen nicht viel anfangen können. Die schlechte
Nachricht für eine Mehrheit von artenschutzbewegten Österreichern –
nicht nur in den Städten – ist aber, dass im Zentrum die Nutzer den Ton
angeben werden, also Landwirtschaft und Jagd. Die NGOs, wie WWF oder
Naturschutzbund dürfen – wenn sie Glück haben – das Zentrum beraten,
bleiben aber von den Entscheidungen ausgeschlossen.

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