Wolf

„Er ist wieder da“ – und mit ihm ein Österreich-Zentrum für Bär und Co. – ein Kommentar von Kurt Kotrschal aus „DiePresse“ am 19.02.2019

Das neue Zentrum ist unterfinanziert und vertritt die
Minderheiteninteressen von Jagd und Landwirtschaft, nicht aber des Artenschutzes. Konflikte sind damit vorprogrammiert.

Die gute Nachricht: Auf Betreiben von Ministerin Elisabeth Köstinger und
der zuständigen Länder wird es ein „Österreichzentrum Bär, Wolf und
Luchs“ im Raum Gumpenstein in der Steiermark geben. Das ist ein auch vom
WWF vorsichtig begrüßter Fortschritt, da Wolf & Co bislang Ländersache
waren, obwohl sie mit Grenzen nicht viel anfangen können. Die schlechte
Nachricht für eine Mehrheit von artenschutzbewegten Österreichern –
nicht nur in den Städten – ist aber, dass im Zentrum die Nutzer den Ton
angeben werden, also Landwirtschaft und Jagd. Die NGOs, wie WWF oder
Naturschutzbund dürfen – wenn sie Glück haben – das Zentrum beraten,
bleiben aber von den Entscheidungen ausgeschlossen.

Allein die bescheidenen Mittel lassen an der Ernsthaftigkeit des
Vorhabens zweifeln: 120.000 Euro werden für die Geschäftsstelle
veranschlagt, 100.000 für die Begutachtung von Schadensfällen und
DNA-Analysen und weitere 100.000 Euro sollen in Pilotprojekte, wie
Herdenschutz fließen. Um ein konfliktarmes Zusammenleben mit Wolf & Co
zu erreichen, brauch man aber neben dem Herdenschutz vor allem gutes und
daher relativ aufwändiges Monitoring und Freilandforschung. Dafür gibt
es aber kein Budget. Wie will man ohne Wissensbasis managen? Für die
Förderung des Herdenschutzes steht übrigens seit ein paar Wochen ein gut
gefüllter Topf aus dem EU Landwirtschaftsbudget zur Verfügung. Es wäre
fahrlässig, sich diese Mittel im Gegensatz zu anderen Ländern nicht
abzuholen, etwa weil man – wie zu hören ist – keine Freude damit hat,
sich von außen über die Schulter schauen zu lassen.

Die Jagdorientierung des Zentrums zeigt sich auch daran, dass dort der
„Wolfsbeauftragte“ des Landes Salzburg, Mag. Dr. Hubert Stock den Ton
angibt. Bezeichnenderweise berichtete er über die Einrichtung des
Zentrums zuerst in „Österreichs Weidwerk“ (Feb. 2019). Besonders
erstaunlich ist das Editorial des Herrn Stock, in dem zu lesen ist: „Er
ist wieder da – Zum Glück jedoch nicht Adolf Hitler wie im gleichnamigen
Roman von Tibor Vermes, für viele aber nicht weniger schreckenerregend
–, der Wolf!“ Ein Vergleich von Wölfen mit Hitler! – geht es noch
irrationaler? Herr Stock hat natürlich jedes Recht, der Öffentlichkeit
zu zeigen, wes Geistes Kind er ist, aber qualifiziert ihn das als Leiter
des Zentrums? Zu Recht beschwerte sich deswegen der Naturschutzbund über
den Verlust der Verhältnismäßigkeit im Umgang mit dem Wolf.

Zudem vertritt Stock ziemlich irrationale Abschussszenarien, phantasiert
im Widerspruch zur Gesetzeslage von der „jagdlichen Bewirtschaftung des
Wolfes“, scheint aber nicht allzu viel von Herdenschutz zu halten. Das
ist die verkehrte Logik, will man die Situation befrieden. Immer noch
scheint man davon auszugehen, dass man „das Problem“ mit Abschuss lösen
kann. Man sollte aber auf Herdenschutz setzen, will man nicht immer
wieder böse Überraschungen erleben, etwa durch durchziehende Wölfe. Die
können jederzeit und überall auftauchen, ist doch mittlerweile ganz
Europa Wolfszone.

Das neue Österreichzentrum zu Bär, Wolf und Luchs ist offenbar gut
gemeint, aber zu gering finanziert und es vertritt die
Minderheiteninteressen von Jagd und Landwirtschaft, nicht aber des
Artenschutzes. Konflikte sind damit vorprogrammiert, mit den
Weidetierhaltern selber, die man immer noch im Regen stehen lässt, mit
den NGOs und mit einer aufmerksamen Öffentlichkeit.

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